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Diät fängt im Kopf an

Warum ist es so schwer, abzunehmen - und danach schlank zu bleiben? Forscher haben eine neue Erklärung: Stress wird mit Ess-Attacken gelindert und provoziert so die Sucht nach Kalorien. Aber es gibt einen Ausweg

Martin Kunz, Welt am Sonntag, Autor von "Essen statt stressen - ganz entspannt abnehmen"

Spricht Patricia W. über Essen, dann klingt das, als wären Kuchen, Bonbons oder Desserts lebensgefährliche Drogen. "Ich musste Essen in mich reinstopfen, in der Summe waren das riesige Mengen, vor allem Süßes", beschreibt die 44-jährige Berlinerin ihr früher zwanghaftes Ernährungsverhalten. Sie konnte nicht anders. Es ging ihr wie anderen Süchtigen: Sie brauchte ständig dringend Nachschub, hatte irgendwann ihr ganzes Leben darauf eingestellt. "Ich war richtig esssüchtig", sagt Patricia W. Ein Hungergefühl kannte Patricia W. nicht, weil sie von früh bis spät mit dem Verzehr der Kalorienberge beschäftigt war. Freunden und Verwandten gaukelte sie kulinarische Gelüste vor. Erfand Ausreden, um ihr Suchtverhalten zu kaschieren. Sie aß sehr oft heimlich. Bei einer Körpergröße von 1,60 Meter wog Patricia W. zeitweise 140 Kilogramm - Ernährungsmediziner errechnen daraus einen Body-Mass-Index von 54,7. Ab einem BMI von 40 gelten Patienten als lebensgefährlich übergewichtig. So dramatisch hoch ist der BMI zwar eher bei einer Minderheit, unter chronischen Ess-Anfällen leiden vergleichsweise wenige Menschen - nur bei etwa vier bis neun Prozent der Übergewichtigen wird die sogenannte Binge-Eating-Störung diagnostiziert. Doch die Mehrheit der Deutschen ist aus medizinischer Sicht eindeutig zu dick. Und eine Gier auf Schokolade, Currywurst oder Kartoffelchips verspüren viele Menschen - zumindest gelegentlich. Die wenigsten wissen mit ihr umzugehen.

Patricia W. beschloss nach einem 25 Jahre dauernden Diät- und Jojo-Leidensweg im Jahr 2006, sich den Overeaters Anonymous anzuschließen, einer Selbsthilfegruppe, die nach dem Prinzip der Anonymen Alkoholiker versucht, die Esssucht in den Griff zu kriegen. Das von den Anonymen Alkoholikern übernommene Prinzip, Regeln aufzustellen, um abstinent zu werden, wurde übernommen - es sind die "12 Schritte". Der erste Leitsatz stellt lapidar fest, dass man selbst nicht in der Lage sei, die Sucht-Erkrankung zu überwinden. Deshalb sei überirdische Hilfe zwingend nötig. Eine Macht, die größer sei als die Süchtigen selbst und eben in der Lage sei, von der Sucht zu befreien, so erklärt Patricia W. die zentrale Botschaft. Die Overeaters Anonymous, oder kurz OA, fassen deshalb den Entschluss, ihren Willen und ihr Leben "der Sorge Gottes oder einer anderen spirituellen Macht anzuvertrauen".

Ist tatsächlich Hilfe aus dem Jenseits nötig, weil die grassierende Übergewichtsepidemie mit irdischen Mitteln bislang nicht therapierbar schien? Muss man Esssüchtige wie Drogenabhängige behandeln? Oder können modernste Ernährungsmedizin, Genforscher und Erkenntnisse der Neurowissenschaft beim Abspecken helfen?

 

Dass Esssucht und Adipositas nicht so einfach zu behandeln sind und selbst einige wenige Kilogramm Übergewicht hartnäckig ... weiter zum Artikel hier zu Welt online





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